Supraleitende Quantenbits simultan auslesen
Thomas Liebsch 25.02.2005
Das Messproblem beim Quantencomputer scheint gelöst
Eine Voraussetzung zum Bauen eines Quantencomputers ist
das simultane Auslesen der Quantenbits, ohne dass die Messung
eines Qubits die anderen verfälscht, denn ihre Verschränkung
ist das wesentliche Merkmal eines künftigen Quantencomputers.
Amerikanischen Forschern gelang das mit zwei gekoppelten
supraleitenden Qubits. Damit ist jedoch noch kein Analogon
eines Gatters entwickelt.
Quantencomputer
könnten im übernächsten Jahrzehnt dank massiver
Parallelverarbeitung
bei Zahlenfresser-Algorithmen glänzen, bei denen heutige
Supercomputer ihr Silizium zum Glühen brächten. Zunächst lag
es nahe, Quantenbits (Qubits) in Kernspins zu codieren, die
Frage ist nur, wie sich diese an konventionelle
Digitalschaltungen koppeln lassen, besser wären makroskopische
Qubits. Der bekannteste makroskopische Quanteneffekt ist die
Supraleitung.
Supraleitende Quantenbits (Qubits) lassen sich
in elektrischen Schaltkreisen verarbeiten. Ihr wichtigstes
Bauelement sind Josephson-Tunnelübergänge. Im Gegensatz zu
Ionen oder Atomen in Teilchenfallen sowie Kernspins lassen
sich die supraleitenden Qubits mit konventioneller Elektronik
einfacher koppeln, was im Hinblick auf das Auslesen und das
Entwickeln von Gattern relevant wäre. Quantencomputer gleich
welchen Prinzips werden im Kern aus verschränkten Qubits
bestehen, die es schließlich auszulesen gilt.
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| Die Supraleitung ist eine nahe
liegende Methode, makroskopische Qubits abzulegen. Eine
auf diskrete Werte beschränkte Spannungsamplitude stellt
hier die Qubits dar. Beide Qubits lesen die Forscher
simultan aus, bislang gelang das nur nacheinander, was
die Messungen jedoch verfälschte. (Bild: John M.
Martinis, UCSB) |
Amerikanische Wissenschaftler der
Universität von
Kalifornien in Santa Barbara
haben zwei gekoppelte supraleitende Qubits simultan ausgelesen
und ihre Ergebnisse in der Ausgabe vom 25. Februar 2005 der
Zeitschrift
Science in
Band 307 auf Seite 1299 beschrieben; die Autoren stellen den
Fachartikel auf ihrer Website zum Herunterladen bereit.
Die Qubits befinden sich in supraleitenden
Josephson-Tunnelübergängen,
durch die sie einen Strom schicken. Ein
Josephson-Tunnelübergang besteht aus zwei supraleitenden
Metallfilmen mit einem dünnen Isolator dazwischen. Der
Tunnelstrom zwischen beiden Filmen hängt ab von der
Phasendifferenz der Wellenfunktionen zwischen ihnen. In diesen
Übergängen lässt sich eine Schwingung in Gang setzen, deren
Spannungsamplitude von den Abmessungen des Bauelements abhängt
– wie immer in der Quantenphysik kann diese Amplitude nur
einige bestimmte Werte annehmen.
Dieses Prinzip heißt Phasen-Qubit, es gibt
noch zwei weitere, nämlich Ladungs-Qubits, bei der ein
einzelnes Elektronenpaar vorhanden sein kann oder eben nicht
und Fluss-Qubits, hier kann ein Dauerstrom im Uhrzeiger- oder
Gegenuhrzeigersinn umlaufen, siehe einen ausführlichen
Übersichtsartikel
desselben Forschers.